Seit mehr als einem halben Jahr geht es nun hin und her zwischen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL. Manfred Schell (GDL) will für seine Mitglieder einen eigenen Tarifvertrag und nicht zu vergessen direkt mal 30 Prozent mehr Lohn. Die Bahn sagt “nicht mit uns”. Reaktion der GDL: Streik. So weit so gut und normal in einem Arbeitskampf. Doch wenn dieser Arbeitskampf soweit geht, dass die gesamte Bundesrepublik betroffen ist, Autofirmen ihre Teile für die Montage nicht mehr bekommen, Heizkraftwerken die Kohle und Stahlwerken der Stahl ausgeht, dann sollten doch beide Verhandlungspartner (oder besser Nichtverhandlungspartner) die Verhältnismäßigkeit überprüfen.

Sicher, 30 Prozent mehr sind viel Geld. Aber was sind die immer wieder kursierenden 2000 bis 2500 Euro brutto für einen Lokführer im Schichtdienst gegen das Gehalt von Personalvorstand Suckale. Das beläuft sich nämlich auf 140.000 Euro. Nicht pro Jahr. Nein, pro Monat. Und auch wenn nach ihren Angaben nur ein Viertel davon garantiert ist – das sind immer noch weit mehr als 30000 Euro. Das Jahresgehalt eines Lokführers.

Auf der anderen Seite kann es nicht sein, wenn die GDL mit den Lokführern – so wichtig sie auch sein mögen – ganz Deutschland blockiert und lahmlegt. Hier verhält sich Schell mit seiner GDL wie ein kleines Kind. “Bekomme ich nicht meine 30 Prozent, dann streike ich”. Bald hat man den Eindruck, selbst wenn er die 30 Prozent ein einem eigenen Tarifvertrag bekommt, dann wird noch weiter gestreikt…

Die Leidtragenden am Ende sind nicht nur die Wirtschaft die auf Güterzüge wartet oder die Deutsche Bahn, denen die Zahlungen ihrer Railion-Kunden und der Passagiere durch die Lappen geht, sondern auch die Deutschen. Denn kaum einer mag sich in Zeiten von Streik und Notfallfahrplan auf die Bahn verlassen. Wer weiß schließlich, ob nicht der eigene Zug plötzlich im Ersatzfahrplan “rot” ist und somit gestrichen. Oder ob der Beamte, der den Zug fahren sollte, krank ist. Es wird als dringend Zeit, dass sich etwas tut am Verhandlungstisch. Nicht nur bei der Bahn, nicht nur bei der GDL. Sondern bei beiden! Und auch die Lokführer sollten sich unabhängig vom Aufruf ihrer Gewerkschaft überlegen, ob sie nicht doch arbeiten gehen. Denn welche Loks sollen sie nach dem Streik noch fahren, wenn alle Güter-Kunden wieder auf die Schiene setzen und die Kunden Gefallen am Fliegen, den Mitfahrzentralen und Mietwagen gefunden haben?

Die Bahn kommt… hoffentlich bald wieder normal!

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