Wed 26 May 2010
Journalisten werden überwertet: BILD sucht Hobby-Gerichtsreporter
Geschrieben von Thorsten Neuhetzki in der Kategorie Journalismus[7] Comments
Mit den BILD-Leserreportern hat der Springer-Konzern vor einigen Jahren einen neuen Trend kreiert, der Medien wie Twitter & Co. um einiges voraus war. Wer unterwegs etwas Interessantes sieht, soll dies an die BILD senden, die dieses dann ggf. veröffentlicht. Dass dieses nicht immer mit der notwendigen journalistischen Sorgfalt geschieht, die man von einem derartigen Massenmedium wie der BILD-Zeitung erwarten sollte, steht dabei auf einem anderen Blatt.
Jetzt geht die BILD sogar noch einen Schritt weiter und beginnt, Journalisten gänzlich überflüssig zu machen. Denn Gerichts-Berichterstattung soll künftig von Hobby-Gerichtsreportern erledigt werden. Im Springer-Blatt Berliner Morgenpost sucht das Blatt heute per Anzeige noch Hobby-Gerichtsreportern. Sie sollen öffentliche Verhandlungen verfolgen und protokollieren und die Ergebnisse dann in die Redaktion schicken. Wie fähig die Leute vor Ort sind, scheint Springer dabei egal zu sein: “Juristische Grundkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig”, heißt es in der Anzeige, die einen nicht unerheblichen Teil der Morgenpost-Zeitungsseite einnimmt.
Dieser Schritt ist durchaus fragwürdig. Denn selbst, wenn aus den per Steno protokollierten Ergebnissen in der Redaktion ein Journalist einen Text baut, so wird dieser nicht die gleiche Qualität haben, als wäre der Redakteur selbst vor Ort gewesen, hätte seine Eindrücke und die Emotionen eingesammelt. So gesehen, bräuchte es dann niemanden mehr, der außerhalb einer Redaktion tätig ist. X-beliebige Leute schicken ihre Stichworte in die Redaktion, ein Redakteur, der die Schreibe beherrscht, bastelt daraus einen Text und dieser geht in die Veröffentlichung. Ein durchaus bedenklicher Schritt und die Abkehr vom Journalismus. Diesen konnte man aber ohnehin bei der BILD bislang in vielen Fällen nicht erwarten, wie beispielsweise der BILDblog immer wieder deutlich macht.
Weitere Beiträge:
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7 Responses to “Journalisten werden überwertet: BILD sucht Hobby-Gerichtsreporter”
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May 27th, 2010 at 10:06
[...] Nach fünf Jahren Buskeismus.de will nun die BILD-Zeitung flächendeckend nicht professionelle Gerichtsberichterstatter einsetzen. [...]
May 27th, 2010 at 13:49
Das Ganze zeigt auch die juristische Inkompetenz des STellenausschreibers:
In den Zuschauerreihen deutscher Gerichte ist Mitschreiben grundsätzlich verboten – außer man ist Journalist.
Das wird eher selten kontrolliert – ich habe als früherer Gerichtsreporter aber schon erlebt, dass der Vorsitzende Richter meinen Presseausweis sehen wollte, als ich Block und Stift herausholte
May 30th, 2010 at 11:29
[...] Süddeutsche Zeitung bietet dem Promi-Anwalt Dr. Schertz ein Forum, um gegen die neue BILD-Initiative zur Rekrutierung von Leserreportern zur Gerichtsberichterstattung zu wettern. Zunächst ist BILD insbesondere an den Vorgängen in [...]
May 31st, 2010 at 16:04
[...] Anforderungsprofil, das BILD laut einem Blog-Beitrag in einer Berliner Morgenpost-Anzeige an zu verpflichtende Hobby-Gerichtsreporter stellt, erinnert [...]
June 10th, 2010 at 05:58
Man interessiert sich offenbar nur für Presserechtsfälle – vielleicht will man gar nicht darüber berichten, sondern lediglich auf dem laufenden bleiben?
Knick knack?
June 11th, 2010 at 02:54
(p.s.: ist es möglich, Hobby-Reporter mit Presseausweisen auszustatten – also nich so Leserreporterzettel, sondern welche, die ein Richter im Zweifelsfall auch akzeptiert?)
September 6th, 2010 at 14:10
[...] [...]