Journalisten werden überwertet: BILD sucht Hobby-Gerichtsreporter

Mit den BILD-Leserreportern hat der Springer-Konzern vor einigen Jahren einen neuen Trend kreiert, der Medien wie Twitter & Co. um einiges voraus war. Wer unterwegs etwas Interessantes sieht, soll dies an die BILD senden, die dieses dann ggf. veröffentlicht. Dass dieses nicht immer mit der notwendigen journalistischen Sorgfalt geschieht, die man von einem derartigen Massenmedium wie der BILD-Zeitung erwarten sollte, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Jetzt geht die BILD sogar noch einen Schritt weiter und beginnt, Journalisten gänzlich überflüssig zu machen. Denn Gerichts-Berichterstattung soll künftig von Hobby-Gerichtsreportern erledigt werden. Im Springer-Blatt Berliner Morgenpost sucht das Blatt heute per Anzeige noch Hobby-Gerichtsreportern. Sie sollen öffentliche Verhandlungen verfolgen und protokollieren und die Ergebnisse dann in die Redaktion schicken. Wie fähig die Leute vor Ort sind, scheint Springer dabei egal zu sein: „Juristische Grundkenntnisse sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig“, heißt es in der Anzeige, die einen nicht unerheblichen Teil der Morgenpost-Zeitungsseite einnimmt.

Dieser Schritt ist durchaus fragwürdig. Denn selbst, wenn aus den per Steno protokollierten Ergebnissen in der Redaktion ein Journalist einen Text baut, so wird dieser nicht die gleiche Qualität haben, als wäre der Redakteur selbst vor Ort gewesen, hätte seine Eindrücke und die Emotionen eingesammelt. So gesehen, bräuchte es dann niemanden mehr, der außerhalb einer Redaktion tätig ist. X-beliebige Leute schicken ihre Stichworte in die Redaktion, ein Redakteur, der die Schreibe beherrscht, bastelt daraus einen Text und dieser geht in die Veröffentlichung. Ein durchaus bedenklicher Schritt  und die Abkehr vom Journalismus. Diesen konnte man aber ohnehin bei der BILD bislang in vielen Fällen nicht erwarten, wie beispielsweise der BILDblog immer wieder deutlich macht.

BILD sucht Hobby-Gerichtsreporter

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7 Antworten auf Journalisten werden überwertet: BILD sucht Hobby-Gerichtsreporter

  1. Pingback: BILD sucht die Gerichts-Leserreproter » Rechtsanwalt Markus Kompa

  2. Nochwasdazu sagt:

    Das Ganze zeigt auch die juristische Inkompetenz des STellenausschreibers:

    In den Zuschauerreihen deutscher Gerichte ist Mitschreiben grundsätzlich verboten – außer man ist Journalist.

    Das wird eher selten kontrolliert – ich habe als früherer Gerichtsreporter aber schon erlebt, dass der Vorsitzende Richter meinen Presseausweis sehen wollte, als ich Block und Stift herausholte

  3. Pingback: Schertz wettert gegen Hobby-(BILD-)Gerichtsreporter » Rechtsanwalt Markus Kompa

  4. Pingback: BILD institutationalisiert die Arbeit von buskeismus.de « ElGraf

  5. H.M.Voynich sagt:

    Man interessiert sich offenbar nur für Presserechtsfälle – vielleicht will man gar nicht darüber berichten, sondern lediglich auf dem laufenden bleiben?
    Knick knack?

  6. H.M.Voynich sagt:

    (p.s.: ist es möglich, Hobby-Reporter mit Presseausweisen auszustatten – also nich so Leserreporterzettel, sondern welche, die ein Richter im Zweifelsfall auch akzeptiert?)

  7. Pingback: Netzpresse: "Bild", Hobby-Gerichtsreporter, Alice Schwarzer

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