Quelle: Fremdmaterial – Die ARD und ihre Quellenangaben

Die ARD hält offenbar nicht viel vom Urheberrecht. Denn sonst würde sie, wenn sie fremdes Material in ihren Beiträgen verarbeitet, auch die Quelle nennen. Das aber tut sie schon lange nicht mehr. Jeder hat in der Tagesschau sicher schon einmal „Quelle: Internet“ gesehen, wenn die Korrespondenten aus Krisenregionen auf Material zurückgreifen, das sie bei YouTube gefunden haben. Nun hat die ARD offenbar ein neues Wording gefunden, das den Vogel abschießt.

Wer heute Abend die Vorberichterstattung vom Spiel Deutschland-Brasilien gesehen hat, hat statt Quelle: YouTube oder Quelle: Internet eine neue Formulierung gelesen: „Quelle: Fremdmaterial“. Wow, was für eine Quellenangabe! Heißt das im Umkehrschluss, wenn ich als Journalist demnächst tolle Themen bei der Tagesschau sehe und den Text auf tagesschau.de toll geschrieben sehe, darf ich ihn einfach kopieren und schreibe dann einfach einen Satz rein „Wie eine andere Seite berichtet“? Oder schreibe ich auch einfach nur in die Autorenzeile: „Thorsten Neuhetzki mit Fremdmaterial“? Bitte liebe ARD, helft mir.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen – Medien übernehmen einander häufiger. Das ist sogar gewünscht. Denn nur so durchbricht man die eigene Leserschaft oder Zuschauerschaft und kann neue Gruppen erschließen und unterstreichen, dass man eigene Themen hat. Nicht umsonst ist die BILD stolz darauf, die meist zitierte Zeitung Deutschlands zu sein. Wenn ich aber jetzt eine Bild-Story übernehme mit Quelle: Zeitung oder Quelle: Fremdmaterial… wo bleibt dann das Urheberrecht, der Schutz des geistigen Eigentums des Redakteurs, der Benefit für den Verlag?

Im konkreten Fall müsste die ARD in meinen Augen mindestens Quelle YouTube angeben. Da man im Internet direkt den Video-Beitrag verlinken kann, bräuchte man hier keine weitere Angabe, um das Video selbst zu finden. In einer Einblendung müsste in meinen Augen auch noch der Nutzername des YouTube-Nutzers zu sehen sein. Nur so hat auch er eine Chance aus dem nun einem Millionenpublikum gezeigten Videomaterial einen Benefit zu ziehen.

Also, liebe ARD: So nicht!

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2 Antworten auf Quelle: Fremdmaterial – Die ARD und ihre Quellenangaben

  1. Pingback: Lieber Focus, fragt mich, wenn Ihr mich zur Klicksau macht! | Primus Inter Pares

  2. Gerhard sagt:

    Ich erwäge Anzeige gegen unbekannt zu erstatten… :-)

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